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Klartext - Das kriselnde Orakel von Duisburg
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 19. September 2011, 00.03 Uhr
Auf der IAA in Frankfurt stellt der geneigte Beobachter fest, dass Deutschland im Herbeireden von Krisen zur Weltspitze gehört. Da präsentiert die deutsche Autobranche nicht nur spannende Fahrzeugkonzepte und Erfolg versprechende Serienmodelle, sondern auch die besten Zahlen, die sie je gemeldet hat. Das sollte doch, angesichts der Krise und Perspektivlosigkeit in Ländern Südeuropas, in Großbritannien und den USA, ein Grund zur Freude sein. Doch weit gefehlt: Schon nehmen die Aktienanalysten das böse R-Wort (Rezession) in den Mund, und die Börsen reagieren mit deutlichen Kursabschlägen.

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München. Die IAA in Frankfurt zeigt zweierlei: Deutschland ist nicht nur Spitze im Bau von Automobilen,  sondern auch im Herbeireden von Krisen. Da präsentiert die deutsche Autobranche nicht nur spannende Fahrzeugkonzepte und Erfolg versprechende Serienmodelle, sondern auch die besten Zahlen, die sie je gemeldet hat. Das sollte doch, angesichts der Krise und Perspektivlosigkeit in Ländern Südeuropas, in Großbritannien und den USA, ein Grund zur Freude sein. Doch weit gefehlt: Schon nehmen die  Aktienanalysten das böse R-Wort (Rezession) in den Mund, und die Börsen reagieren mit deutlichen  Kursabschlägen. Dass einige Analysten so handeln, ist aus ihrer Sicht verständlich. Sie leben von der Volatilität, dem Auf und Ab an den Börsen. Nichts ist schlimmer für Investmentbanker als ein  kontinuierlicher Boom. Denn darunter leidet der Bonus.
Auch das Orakel von Duisburg hat sich schon zu Wort gemeldet. 2012 würde in der Automobilindustrie zum "Jahr der Stagnation" – was ja ganz  furchtbar klingt. Dabei wäre, selbst wenn es kein Wachstum mehr gäbe, 2012 auf dem Niveau von 2011  ein fantastisches Autojahr. Der Autoabsatz stagnierte nämlich auf höchstem Level. Die meisten  Autowerke und Zulieferer produzieren seit Monaten an der Kapazitätsgrenze – oder darüber hinaus. Die  Frage müsste eher lauten: Wie viel Wachstum verträgt die Industrie eigentlich noch, ohne Opfer des  eigenen Erfolgs zu werden?
Derzeit sieht kein Autobauer des Landes Anzeichen für eine Krise. Da haben sich Martin Winterkorn, Dieter Zetsche, Norbert Reithofer und Franz Fehrenbach eindeutig geäußert. Im Gegenteil: Der Bestelleingang der Zulieferer wächst weiter – bei ZF jüngst um zehn Prozent. "Wir werden noch so laut von Krise reden, bis die Kunden tatsächlich anfangen, ihre Kaufentscheidungen  zurückzustellen", warnt ZDK-Präsident Robert Rademacher. In Deutschland wurden im August 18 Prozent mehr Autos verkauft als vor einem Jahr. Trotzdem sieht der Duisburger Auto-Professor Ferdinand  Dudenhöffer den Markt in einer "fragilen Situation". So "fragil" wären andere Branchen und andere  Volkswirtschaften sicher gern. Selbst in China ist der Automarkt im August nur um drei Prozent gewachsen.  Das niedrige Wachstum dort geht vor allem zulasten chinesischer Marken. VW, Audi, Mercedes und BMW wachsen weiter kräftig. Schon wieder keine Krise…
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