NEU: ePaper
Benutzeranmeldung:
Klartext - Nach dem Wutbürger nun der Wutchef
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 11. Juli 2011, 00.03 Uhr
Die Manager der Autoindustrie brechen immer öfter ihr politisches Schweigen. Daimler-Chef Dieter Zetsche kritisierte kürzlich öffentlich die Bundesregierung. Selbst zu eher unpopulären Themen wie dem möglichen EU-Beitritt der Türkei sagte der in Istanbul geborene Manager seine Meinung: Er ist dafür. Überraschend auch seine Äußerungen zu Steuersenkungen: Zetsche, der im vergangenen Jahr sicherlich vier Millionen Euro an Einkommenssteuer gezahlt hat, ist dagegen. Die Konsolidierung des Haushalts habe Vorrang.

Hintergrunddaten zum Thema:
12/2013
Zulassungen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in Deutschland im April 2013

11/2013
VW hat in Deutschland im ersten Quartal 2013 von allen Autoherstellern am meisten für Werbung ausgegeben.

11/2013
In Europa gelten aktuell und auch in Zukunft die strengsten CO2-Grenzwerte.

München. Wutbürger, das Wort des Jahres 2010, könnte bald Konkurrenz bekommen. Neuerdings taucht in der Automobilindustrie der Wutchef oder Wutmanager auf. Beispiel Dieter Zetsche: In einem viel beachteten Interview in der "Bild am Sonntag" stellt der Daimler- Chef der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus. Selbst zu eher unpopulären Themen wie dem möglichen EU-Beitritt der Türkei sagte der in Istanbul geborene Manager seine Meinung: Er ist dafür. Überraschend auch seine Äußerungen zu Steuersenkungen: Zetsche, der im vergangenen Jahr sicherlich vier Millionen Euro an Einkommenssteuer gezahlt hat, ist dagegen. Die Konsolidierung des Haushalts habe Vorrang. Ford-Europa-Chef Stephen Odell bricht ebenfalls das politische Schweigen: Der Brite nimmt sich die EU-Kommission zum Ziel, wo er eine immer industriefeindlichere Politik sieht. Beispiele: das Freihandelsabkommen mit Südkorea, das der dortigen Automobilindustrie den Export von Autos nach Europa unnötig leicht mache, und das Weißbuch Verkehrspolitik der EU, das allen Ernstes die Abschaffung des Autos fordert.
Früher waren derart hochpolitische Äußerungen von Topmanagern undenkbar. So gab es in Deutschland zu Zeiten des "Autokanzlers" Gerhard Schröder und auch danach die unausgesprochene Übereinkunft in der Autoindustrie, politische Kommentare entweder dem VDA zu überlassen oder sich ihrer ganz zu enthalten. Legendär ist die Standardantwort von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zu politischen Fragen von Journalisten: "Ich bin Österreicher. Da mische ich mich nicht ein." Doch nun wird sich eingemischt, und das ist gut so. Denn das Schweigen der Manager hat den Eindruck verstärkt, Diskussionen zwischen Industrie und Regierung fänden in Hinterzimmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei ist die Wahrheit viel profaner: Sie finden gar nicht statt.
VDA-Präsident Matthias Wissmann mag zwar die Handynummer der Kanzlerin haben, doch die geht offenbar nicht dran. Seit Helmut Kohl gab es jedenfalls keine Bundesregierung, die sich weniger für Industriepolitik interessiert hätte. Der chaotische Atomausstieg, die unmotivierte Elektroauto- Förderung und die Untätigkeit gegenüber Brüssel sind einschlägige Beispiele. Diese Art von Ignoranz provoziert Wut: bei Bürgern und Unternehmenschefs.
Kommentare zum Artikel:
Weiterführende Links:
"2011 wird ein gutes Jahr“
Die IAA tastet sich langsam an alte Rekorde heran. Auch wenn die Zahl der Aussteller nicht ganz das Vorkrisenniveau von 2007... » mehr lesen

Stillstand bei Nissan
Wegen Teilemangel muss der japanische Autohersteller Nissan die Produktion in seinem russischen Werk in St. Petersburg für fünf... » mehr lesen

Fiat erhält 250 Millionen Euro von EU-Investitionsbank
Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat dem italienischen Autohersteller Fiat ein Darlehen zur Unterstützung der Forschungs-... » mehr lesen

ZDK bekräftigt Elektrokompetenz gegenüber Kanzlerin Merkel
ZDK-Präsident Robert Rademacher und Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk haben in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin... » mehr lesen

TÜV Süd: E-Car-Reichweiten können um mehr als 50 Prozent schwanken
Der vom TÜV Süd entwickelte E-Car-Standard zur Reichweitenermittlung von Elektro-Fahrzeugen wurde jetzt erstmals bei einem... » mehr lesen

Das erste Megacity Vehicle wurde ein Flop
Warum die Not bei BMW vor 50 Jahren so groß war, klärt sich bei einem Blick auf das Modellprogramm schnell auf. Anfang 1959 baute ... » mehr lesen

Stefan Quandt bekennt sich zu weiterem Engagement bei BMW
Mit einem Festakt hat BMW dem 50sten Jahrestag der Rettung des Unternehmens durch Herbert Quandt gedacht. Dabei machte dessen... » mehr lesen

Daimler will neues Testgelände bauen
Der Stuttgarter Autohersteller Daimler sucht einen Standort in der Nähe der Unternehmenszentrale in Stuttgart und dem... » mehr lesen

Zwischen Fahrspaß und Umweltschutz
Mercedes-Benz startet in diesem Jahr eine Werbekampagne in zehn europäischen Ländern sowie in Kanada und den USA, um sich ein... » mehr lesen

Klartext - Der Hybrid ist doch das Statussymbol
Einer Umfrage zufolge hat das Auto als Statussymbol ausgedient. Das ist keine gute Nachricht – für die Hersteller jener... » mehr lesen

Klartext - Was Audi von Aldi lernen kann
Kaum eine Idee aus Deutschland ist weltweit so gut angekommen wie das Discountmarktkonzept von Aldi. In diesem Zusammenhang... » mehr lesen

Die beliebtesten Inhalte der letzten 7 Tage:
3659
Leser
Arbeitgeber und IG Metall haben sich in Bayern auf den neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten des Kfz-Gewerbes geeinigt. Unterm Strich ähnelt das Ergebnis dem Abschluss in der Industrie.
2905
Leser
Im Bochumer Opel-Werk ruhte am Dienstag die Arbeit für mehrere Stunden die Arbeit, während die Beschäftigten an einer Informationsveranstaltung teilnahmen.
2719
Leser
Der erste Fünfer startete 1972 durch, jetzt bringt BMW die überarbeitete Version der sechsten Generation: Sie steht ab 20. Juli bei den Händlern. Für Limousine und Kombi bietet der Autobauer vier Benzin- und sechs Dieselantriebe an. Als Spitzenmotorisierung dient ein neuer V8-Antrieb mit 450 PS.
2351
Leser
In Europa beklagt sich die Autobranche mit wachsender Verzweiflung über die unaufhaltsam scheinenden Marktanteilsgewinne der koranischen Autobauer. In Korea jedoch sehen sich inzwischen auch Hyundai und Kia einer wachsenden Schar erfolgreicher Importeure aus Deutschland gegenüber - wenn auch nur in dem prestigeträchtigen Segment der Luxuswagen.
2288
Leser
Volkswagen hat in seinem US-Werk mittlerweile 250.000 Passat für den US-Markt gebaut. Das Fahrzeug hat großen Anteil daran, dass sich die Verkäufe der Marke VW in den USA von 2009 bis 2012 verdoppelt haben.
2173
Leser
Wenn sich ein Auto nicht mehr per mechanischer Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern steuern lässt, dürfte das viele Fahrer erst einmal irritieren. Dabei ist Steer-by-Wire - also das Lenken per Datenkabel - potenziell sicherer. Dennoch wird es vorerst die Ausnahme bleiben.
2118
Leser
In der EU wird heftig um schärfere CO2-Grenzwerte für Autos gerungen. Aus deutscher Sicht könnten diese große Nachteile für einheimische Oberklasse-Hersteller bringen. Der mächtige Branchenverband VDA hat nun der Kanzlerin geschrieben.
1878
Leser
2016 wollen Peugeot und Citroen ihre neue Druckluft-Hybrid-Technologie in Serienmodellen einführen. Die Hybrid Air genannte Technologie setzt auf hydraulische statt elektrische Energie, um den Verbrennungsmotor zu unterstützen.
1467
Leser
Die neue chinesische Automarke mit großen internationalen Ambitionen nutzt als erster Autohersteller weltweit die Cloud-Plattform Windows Azure von Microsoft. Marktstart ist in der zweiten Jahreshälfte in China.
1427
Leser
Wegen Verdachts auf Bilanzbetrug hat die schwedische Justiz drei frühere Manager des insolventen Autobauers Saab verhört. Darunter ist auch der ehemalige Konzernchef Jan Åke Jonsson.