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Klartext - Elektroauto und Stütze passen nicht
Nissan Leaf: Wer unbedingt als Erster in der Nachbarschaft oder im Kollegenkreis eine E-Auto fahren will, wird sich das sicher auch gerne etwas kosten lassen.
(Foto: Nissan)
Autor:
Guido Reinking
greinking@craincom.de
Montag, 30. Mai 2011, 00.03 Uhr
Entgegen der in der in der Autoindustrie weit verbreiteten Meinung, die Regierung müsse den Kauf von Elektroauto direkt subventionieren, meint Automobilwoche-Chefredakteuer Guido Reinking, die Subvention sei nicht nötig. Die Regierung sollte sich seiner Ansicht nach besser auf das konzentrieren, was ihre Aufgabe ist: die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

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München. Auch wenn die Autoindustrie es anders sieht: Die Entscheidung der Bundesregierung, den Kauf von Elektroautos nicht direkt zu subventionieren, ist richtig. Und zwar aus verschiedenen Gründen: Zunächst einmal werden Elektroautos auf absehbare Zeit Luxusprodukte sein, die sich kaum für den durchschnittlichen Privatkunden eignen, sondern vor allem für "Early Adopters". Das sind Menschen, die sich gerne als Erste mit Trendprodukten umgeben – wie dem Apple iPhone oder iPad – oder die möglichst früh einen Mercedes SLS, Ferrari FF oder einen E-Smart fahren müssen und dafür dazu bereit sind, sogar deftige Aufpreise zu zahlen. Auch hier gilt der Wendelin-Wiedeking- Satz: Luxus und Stütze passen nicht zusammen. Wer unbedingt als Erster in der Nachbarschaft oder im Kollegenkreis einen Opel Ampera oder Nissan Leaf fahren will, wird sich das sicher auch gerne etwas kosten lassen.

Zudem nutzen solche staatlichen Kaufanreize dem Käufer auf mittlere Sicht ohnehin wenig: Der US-Restwertespezialist Kelly Blue Book (KBB) hat in einer Projektion errechnet, dass der Chevrolet Volt – das US-Pendant zum Opel Ampera – nach 36 Monaten Laufzeit nur noch 17.000 Dollar wert ist, was nur 42 Prozent des Neupreises entspricht. Diesen ungewöhnlich niedrigen Restwert begründet KBB auch mit der Steuererstattung in Höhe von 7500 Dollar, die der amerikanische Staat dem Käufer eines Elektroautos gewährt. Eine solche staatliche Kaufprämie zahlt der Käufer also am Ende über den niedrigen Restwert zum großen Teil selbst. Die deutsche Autoindustrie sollte es sich zudem genau überlegen, ob sie sich wegen ein paar Hundert Millionen Euro von der Regierung abhängig machen will. Verglichen mit den Milliarden-Budgets der Entwicklungsabteilungen bei Autoherstellern und Zulieferern sind die möglichen Forschungsgelder des Staats ohnehin Peanuts.

Die Regierung sollte sich besser auf das konzentrieren, was ihre Aufgabe ist: die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen – an den Universitäten mehr Studienplätze für Elektrochemie, Elektronik, Elektrotechnik, in den Städten die nötige Infrastruktur zum Parken und Laden sowie intelligente Verkehrsleitsysteme. Wenn sich die Elektromobilität dann nicht von allein durchsetzt, weil die Bürger, die Autofahrer, die Kunden sie nicht wollen, dann hat sie es ohnehin nicht verdient, gefördert zu werden.
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